Gott liebt unsere Schwächen

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Im Himmel braucht es keine Perfektion – alle sind gleich und jeder wird akzeptiert. Im wirklichen Leben gilt dies nicht immer, Unvollkommenheit wird oft gemieden. Die neueste Auftragsarbeit der Künstlerin Jutta Barthel spiegelt diese Diskrepanz sinnbildlich wider: Die Grabplatte für einen kürzlich Verstorbenen, der seinen linken Arm im Krieg verlor, zeigt einen Jesus der das körperliche Leiden wiederspielt. Gerade in der heutigen Zeit ist der Hang zum Perfektionismus erdrückend übermächtig. So war der armamputierte Robert H. durch seine Behinderung Zeit seines Lebens Vorurteilen ausgesetzt, die er jedoch immer mit Bravur widerlegte. „Durch seine Lebensfreude und Kraft war er für viele Menschen ein Vorbild“, ist seine Ehefrau Renate H. überzeugt. „Das sollte seine Grabplatte auch über seinen Tod hinaus zeigen.“

So beauftragte sie die Künstlerin Jutta Barthel, die sich in den Menschen Robert H. hineinzuversetzen versuchte: „Sich nicht vom Äußeren täuschen lassen, nur weil es auf den ersten Blick unvollkommen oder schwächlich erscheint – diese Idee habe ich in meine Bronze-Statue ‚Gott liebt unsere Schwächen‘ einfließen lassen,“ erklärt die bekannte Künstlerin, die ihr Atelier in den 1990er Jahren von Hannover nach Monte Carlo verlegte. So symbolisiert der Jesus von Jutta Barthel diese Unvollkommenheit durch seinen fehlenden Arm. „Jesus Christus ist immer für andere stark und kraftvoll. Auch wenn ihm plötzlich ein Arm fehlt, würde niemand daran zweifeln. Er steht für die Unzulänglichkeiten dieser Welt und trotzdem auch für die Vollendung, die viele erreichen,“ beschreibt Jutta Barthel ihre Gedanken und fährt fort: „Jesus sorgt für die Kommunikation mit der anderen Welt und beugt sich, aus dem ‚Nichts‘ hereinwirkend, zum Menschen.“ Eine Skulptur aus dem 1300 bis 1400 Jahrhundert aus der schwäbischen Schule diente Jutta Barthel als Vorlage für ihr Kunstwerk, das komplett aus Bronze gearbeitet ist – einem Material, dem die Künstlerin immer wieder gekonnt Leben und Sinn einhaucht. Renate H.: „Die klaren Linien vermitteln das Gefühl von liebevoller Strenge und großer Würde. Denn Jesus nimmt sich all unserer Leiden und Sorgen an, so dass wir frei leben können. So wie mein Mann.“